Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Stefan Schwartze, MdB, hat erstmals zum Tag der Patientinnen und Patienten am 26. Januar 2026 einen Jahresempfang ausgerichtet. Die Veranstaltung wurde mit einführenden Worten von Stefan Schwartze und Gesundheitsministerin Nina Warken begonnen und hat auf die Herausforderungen für Patientinnen und Patienten im Gesundheitssystem hingewiesen.
Daraus folgende politische Schlüsse wurden mit einem Expertenpodium – bestehend aus Frau Dr. Katharina Graffmann-Weschke (Vorständin der Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland), Frau Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich (Vorstandsvorsitzende Eva Luise und Horst Köhler Stiftung), Herrn Ulrich Langenberg (Geschäftsführender Arzt der Bundesärztekammer) und Frau Prof. Dr. Doris Schaeffer (Senior-Professorin an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld) diskutiert. Die Moderation übernahm Linda Pfleger vom Arbeitsstab der Patientenbeauftragten. Auch die Vertreterin der maßgeblichen Patientenorganisationen Frau Michaela Schröder (Geschäftsbereichsleiterin Verbraucherpolitik und Mitglied der Geschäftsleitung bei Verbraucherzentrale Bundesverband) kam zu Wort und wies auf die besonderen politischen Herausfordeurngen in Fragen der Primärversorgung und das gemeinsame Positionspapier der Patientenorganisationen hin.
Im anschließendem Get-Together gingen die für die Patientenbelange maßgeblichen Organisationen, Verbände sowie Mitglieder der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages in den Austausch.
Stefan Schwartze freute sich über das große Interesse an der Veranstaltung. Er appellierte an die beteiligten Akteure, Maßnahmen zu ergreifen:
„Unser Gesundheitssystem braucht Veränderung – und zwar jetzt. Patientinnen und Patienten sind bei ihrer gesundheitlichen Versorgung tagtäglich mit großen Herausforderungen konfrontiert. Dabei liegt das Problem nicht bei ihnen oder in ihnen – unser Gesundheitssystem ist zu komplex und ineffizient. Dies zeigt sich an langen Wartezeiten auf Termine, Odysseen bei der Diagnosefindung und fehlenden Absprachen zwischen den Behandelnden. Das sind nur einige Aspekte eines viel zu komplizierten Systems.
Ganz klar gilt: Das System darf nicht kränker sein als der Patient. Es muss einfacher werden. Es muss effizienter werden. Es muss transparenter werden. Wir brauchen ein Gesundheitswesen, das sich an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientiert.
Aus diesem Grund sehe ich einzelne und kleinteilige Maßnahmen, wie eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung, eine weitere Belastung der Patientinnen und Patienten durch eine Praxisgebühr oder andere Zuzahlungsinstrumente kritisch. Die Wirksamkeit ihrer Steuerungseffekte ist umstritten. Die Versicherten sind mit den Beitragserhöhungen bereits in Vorleistung gegangen. Nun müssen andere ihren Teil leisten.
Für ein Mehr an Effizienz braucht es umfassende Strukturreformen. Die Krankenhaus- und die Notfall- und Rettungsdienstreform sind ein guter Anfang. Den Gesetzentwurf für ein Primärversorgungsmodell erwarte ich mit Spannung. Digitale Instrumente gehören selbstverständlich als sinnvolle Ergänzung heute dazu und bringen neue Vorteile. Ohne echte Patientenorientierung jedoch führen diese Vorhaben ins Leere.
Der Koalitionsvertrag gibt uns den Auftrag, Patientinnen und Patienten im Behandlungsgeschehen zu stärken. Dazu gehören auch Anpassungen beim Patientenrechtegesetz, die dringend notwendig sind. Patientinnen und Patienten stoßen etwa beim Verfahren rund um vermutete Behandlungsfehler auf große Schwierigkeiten. Meine zentrale Forderung ist, das Beweismaß für die Kausalität zwischen Behandlungsfehler und eingetretenem Gesundheitsschaden von der richterlichen Überzeugung – dem Vollbeweis – auf die „überwiegende Wahrscheinlichkeit“ zu senken. Außerdem müssen wir das Einsichtsrecht stärken und erweitern und ein Never-Event-Register verbindlich in der Fläche etablieren.
Ich werde weiter mit den Beteiligten im Austausch sein, Stimmen einholen und versuchen, Interessen zusammenzubringen und durchzusetzen. Bei alledem darf nicht vergessen werden, wofür das Gesundheitssystem existiert – für die Patientinnen und Patienten.“
Schwartze sieht den diesjährigen Empfang als Auftakt einer Veranstaltungsreihe. Er möchte nun jedes Jahr zum Tag der Patientinnen und Patienten einladen und ihre Stimme durch die Veranstaltung sichtbarer machen.
Programm
Moderation: Linda Pfleger, M.mel., Arbeitsstab des Patientenbeauftragten
| 17:00 Uhr | Begrüßung Stefan Schwartze, MdB Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten |
| 17:20 Uhr | Grußwort und Impuls Nina Warken, MdB Bundesministerin für Gesundheit |
| 17:40 Uhr | Impuls zur Patientensicht auf das System Dr. Katharina Graffmann-Weschke Vorständin Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland |
| 17:50 Uhr | Podiumsdiskussion Patientinnen und Patienten sind wir alle: Wie muss unsere Gesundheitsversorgung aussehen? Podium: Dr. Katharina Graffmann-Weschke, Vorständin Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland Ulrich Langenberg, Geschäftsführender Arzt der Bundesärztekammer Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, Vorsitzende des Vorstands der Eva Luise und Horst Köhler Stiftung Prof. Dr. Doris Schaeffer, Senior-Professorin an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld |
| 18:40 Uhr | Abschluss und Eröffnung des Buffets Stefan Schwartze, MdB Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten |
| 18:45 Uhr | Get together |
| 21:00 Uhr | Ende der Veranstaltung |





































































Eindrücke vom Jahresempfang des Patientenbeauftragten der Bundesregierung 2026 © Sera Zöhre Kurc
